Segelclub Rhyspitz

Marina Rheinhof

Hallo unsere liebste Familie zu Hause,

Liebe Freunde zu Hause, im Urlaub, beim Segeln bzw. Wassersport, beim Tennis, bei Cabriotouren oder Oldtimer-Ausfahrten.

Herzlich Grüßen wir Euch von den herrlichen Südseeatollen der Tuamotus.

 

Genau ein Jahr, nachdem wir unser „Inselchen“ zu den majestätischen Marquesas gebracht hatten, verließen wir dieses üppig bewachsene, polynesische Paradies wieder.

Ein letztes Mal sagten wir unseren Augen, sie sollten sich an dem verschwenderischen Grün der Berge satt sehen.

Auf den Tuamotus werden die höchsten Erhebungen die Palmen sein und das einzige Grün die Blätter.

Auch nahmen wir in unserer Lieblingsbucht in Tahanea vor dem leuchtend weißen Strand ein letztes Bad ohne Riffhaie.

Zugegeben, nach einem Jahr „Segelpause“ war es sicher nicht die klügste Idee, gleich zu den 450 sm. entfernten Tuamotus zu starten.

Wir waren noch in keiner Weise „seetauglich“,und hatten noch keine standhaften Seglerbeine.

Unsere Hände fanden nicht mehr, wie sonst automatisch, alle Haltegriffe, an denen wir uns durchs

Boot hangeln. Zuerst schlug es Günter vor der Koje auf den Boden, mich haute es von der Cockpitbank unter den Frühstückstisch und die Ölflasche vom Schrank auf den Boden (was für eine Sauerei!). Die Beule, die ich mir noch am Hinterkopf holte, besserte die Laune auch nicht, Zumal ich beim Einkauf noch einen lieblichen Rotwein erwischte, Marke: blumiger Abgang,

da hatte ich dann fertig.

In Tahiti fliege ich nach Hause, ENDE !!

Aber... so kurz vor meinem Traum aufgeben. Ich kann schon Bora Bora sehen da vorne. Ganz klein natürlich. In der Sprache der Wüste würde es heißen:“verdursten, wo man schon die Palmen sieht!“

Also mache ich weiter, zumal man beim Schiff ja auch nicht so wie beim Auto aussteigen kann.

Am nächsten Tag gab es auch schon wieder etwas zum Schmunzeln.

Um 5°°Uhr am Morgen löste mich Günter von der Wache ab, rief mich aber gleich wieder nach Oben.

… Regina komm mal, da ist ein Licht, aber ich hab kein AIS-Signal.

… Zeig mal, vielleicht hat der ja kein AIS, wo denn?

… Na da drüben

… Oh Günter, das ist der Mond, der gerade zwischen den Wolken ins Meer taucht.

… Ach so, gut.

Zugegeben, ich war im Vorteil. Erstens war mein armer Skipper noch etwas schlaftrunken und zweitens hatte ich während meiner Wache genügend Zeit den Mond zu beobachten.

Dennoch muß Günter sich jetzt ab und zu die Frage gefallen lassen:“Schiff oder Mond?“

Sorry, wir haben ja sonst nichts zum Lachen.

Segeltechnisch hatten wir uns schon länger vom stabilen Passatwind verabschiedet.

Der Südpazifik bedeutet meist anstrengendes Hochseesegeln, mit mehr oder weniger Wind, oft hoher Dünung und heftigen Squalls. Diese dunklen Wolkenfronten bringen immer viel Regen und Wind mit sich. Auch wenn der Spuk nie allzu lange dauert, muß die Segelstellung doch angepasst werden. In manchen Nächten auf See bekam mein Skipper daher oft zu wenig Schlaf.

Wenn der Lohn dafür aber ein Traumankerplatz in einem Südseeatoll ist, sind die Strapazen bald vergessen.

Unser erstes Atoll, Raroia, tauchte am vierten Tag auf See aus der Morgendämmerung auf.

Die Korallenriffringe haben meist nur eine Ein- und Ausfahrt den sogenannten Pass, durch den man nur bei sogenanntem „Stillwasser“ fahren kann. Dies ist also nur alle 6 Std. möglich.

Günter hatte zwar die Zeit gut berechnet, aber vor dem Pass donnerte dennoch eine gewaltige Dünung an die Riffkante und in der Mitte kam uns ein „Wildbach“ entgegen.

Selbst mein Skipper atmete beim Anblick einmal tief durch.

Die „mutige“ Bordfrau fing hingegen gleich an zu maulen.

...das kannst du vergessen, ich komm da nicht mit, da kannst du gleich weiterfahren.

Die Passdurchfahrt war auch im Segelführer mit „nicht ganz einfach zu befahren“ angegeben.

Heyerdahl strandete hier mit seiner KONTIKI am Außenriff.

Doch es half nichts. Günter legte den Gashebel um und Minuten später schwammen wir im glasklaren, spiegelglatten , türkisfarbenen Lagunenwasser. Wau!!

Die Slalomfahrt, um gefühlte 100 Korallenköpfe, bis zum Ankerplatz schafften wir problemlos.

Natürlich!! Ich war ja auch mit meiner Polaroitbrille im“ Ausguck“.

Der Anker fiel und gleich umschwammen vier Haie unser Schiff. Günter traute sich dennoch ins Wasser und die Haie schwammen davon.

Später,an Land, sagte uns ein Einheimischer, es hätte noch nie einen Angriff von Haien auf Menschen gegeben. Die Frauen der Insel seien viel gefährlicher. Ha-ha, scheint wohl hier wie überall auf der Welt zu sein.

Insgesamt vier, der 79 Tuamotusatolle liefen wir an und auch wenn das Timing zum Ein- oder Ausfahren nicht so genau stimmte, wurden wir immer mutiger. Augen zu und durch!

In das kleine Atoll Kauehi retteten wir uns vor dem sogenannten „Maramu“, den Markus unser Wetterfrosch mit bis zu 30 kn. auf unser Sat.-Telefon vorhersagte.

Handy und Internet gab es in den Weiten des großen Pazifiks ja nicht.

Nach unserer Ankunft bummelten wir noch durch das kleine Dörfchen, meldeten uns bei der Polizeistation an und zahlten unsere Tax, kauften etwas ein und besuchten die Kirche.

Gestern war weißer Sonntag und der Blumenschmuck duftete nach ALLEM, was man sich unter Südsee vorstellen kann.

Am nächsten Tag hatte uns der Starkwind voll im Griff. Obwohl wir glaubten, durch das nahe Riff geschützt zu sein, fegten die Wellen um unser Schiff und ließen es am Anker auf- und abtanzen.

An Landgang war nicht mehr zu denken.

Also backte ich erst mal Apfelkuchen mit Streusel und Zimt und bald duftete es nach Weihnachtszeit. Danach sehnte ich mich aber in dem Moment auch mehr, als nach Südsee.

Das Paradies ist auch nicht fehlerfrei und zeigte mal wieder seine Krallen.

Nach einer gruseligen, unruhigen Nacht gingen wir am nächsten Morgen wieder von Bord.

Die Menschen hier waren unglaublich freundlich. Jeder grüßte und winkte, fragte nach unseren Namen und woher wir kommen.

Der Ladenbesitzer geriet ins Schwärmen:“Oh, Germany, die deutschen Frauen sind so schön.“

AlsoMädels..., ich schicke das Kompliment zu Euch nach Hause.

Kein Sturm hält ewig und so konnten wir noch einige dieser „das – kann – doch – nicht – wahr – sein“ Traumplätze anlaufen. Viel kitschiger könnten die blau türkistöne wirklich nicht sein und dazu der weiß leuchtende Strand, echt abgefahren und menschenleer.

Nur die Kokoskrabben flitzten auf ihren acht Beinen, mit denen sie auch seitlich laufen können, umher. Sie erinnerten mit ihren langen Stielaugen an Steven Spielbergs „ET“.

Etwas mehr Leben gab es dann wieder im zweitgrößten Atoll der Tuamotus, in Fakarava.

Frischzeug einzukaufen war aber auch hier Fehlanzeige, da das Versorgungsschiff wegen des Maramus nicht kommen konnte. Verhungern müssen wir aber nicht.

Wir haben einige Kontakte mit österreichischen und Schweizer Seglern und es wird nicht langweilig.

Die Spaziergänge auf dem Riff sind auch nach vier Wochen ein Erlebnis.

Ein eigenartiges Gefühl auf so ein paar Metern Land zu stehen, das nur wenig aus dem Wasser ragt.

Auf der einen Seite donnert die Pazifikbrandung ans schroffe Außenriff. Auf der anderen Seite schimmert das ruhige Wasser der Lagune. Was wir alles erleben dürfen ist beeindruckend.

Nun steht noch der Besuch einer Perlenfarm aus. Fakarava züchtet die bekanntesten und begehrtesten schwarzen Perlen in Polynesien. Da wird hoffentlich auch für mich eine dabei sein.

Noch nicht genug mit den Superlativen. Der Südpass von Fakarava ist eines der berühmtesten Tauchreviere der Welt. Da müssen wir wenigstens mal zum schnorcheln hin.

Haie, Rochen und Schildkröten sehen wir sowieso auch schon von unserem Schiff aus.

 

Dann ruft Tahiti 250 sm. entfernt.

 

Herzlichst,

Regina u. Günter